Kapitel 3 / Rubrik 1
Aus dem Leben des Gründers Küchenmeister Otto Schütz
Verfasser: Mitgliedsbeitrag Friedrich Nagel

Aus dem Leben des Gründers Küchenmeister Otto Schütz

Aus dem Leben des Gründers Küchenmeister Otto Schütz
Stuttgart. , November 1971 AHGZ, von Friedrich Nagel
Am 15. November 1971, kurz nach seinem 71. Geburtstag, verstarb der international bekannte und durch seine erfolgreiche Tätigkeit als Leiter der Kochkunstschau bei den Ausstellungen der letzten Jahre bekannt gewordene, hochgeschätzte Küchenmeister Otto Schütz.
Am l. Mai 1914 begann Otto Schütz seine Berufslaufbahn im Kurgarten-Hotel in Friedrichshafen, wo er 1916 die Lehre beendete.
Danach begannen für ihn die Wanderjahre, die ihn in viele gute und bekannte Häuser führten. Zunächst ging er zur weiteren Ausbildung in das Schwarzwaldhotel in Triberg, dann nach Stuttgart, Mainz und wieder zurück in das Kurgarten-Hotel in Friedrichshafen als Aide de Cuisine.
Im Kurhaus in Bad Schachen arbeitete er als Chef Gardemanager und Rotisseur und in Zürich im Hotel Baur au Lac als Chef Tournant.
Dann war Otto Schütz in den folgenden Jahren sechs Winter lang in Luxor/Ägypten, in München Chef Saucier und Chef Gardemanager im Regina-Palast Hotel.
Es folgen Hotel Stadt Gotha in Chemnitz, Kaiserhof Essen, Grand-Hotel und Kurhaus in Tarasp/Schweiz und Maloja-Palace-Hotel in Maloja.
Otto Schütz wurde in diesen Jahren nicht nur ein ausgezeichneter Koch und Gardemanager von Weltklasse, sondern ein wahrer Kochkünstler und Organisator.
Bei der IKA in Frankfurt 1925 erhielt er die Große Goldene Medaille und einen Ehrenpreis,
in Kopenhagen auf der IKA 1929 und 1934 jeweils den Ersten Preis der Ausstellung und im gleichen Jahr in Frankfurt das Ehrenkreuz am Bande und einen Ehrenpreis.

1930 war Otto Schütz Mitglied der deutschen Nationalmannschaft auf der ZIKA in Zürich und erhielt die goldene Medaille im Wettbewerb um das Welt-Championat der Köche.
Von 1936 bis 1941 führte er als Berufsreferent mit großem Erfolg Koch- und Schulungskurse für Gastwirtsfrauen und deren Töchter, sowie Lehrkurse für Werksverpflegung durch.
Zu dieser Zeit legte er auch seine Meisterprüfung mit Erfolg ab. 1941 wurde er dann zur Wehrmacht eingezogen und kam erst 1950 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück.
Er begann wieder im Park-Hotel „Haus der Wirtschaft” in Stuttgart als Chef Gardemanager und erhielt für seine ausgestellten Platten 1950 bei der HOGAFA die Große Goldmedaille und 2 Ehrenpreise.
Ende 1950 begann er als Küchenleiter bei den Deutschen Linoleumwerken in Bietigheim.
Im Jahre 1956 gründete Otto Schütz die Meistervereinigung Gastronom e.V. Stuttgart, deren 1. Vorsitzender er bis Mitte März des Jahres 1971 war.
Hier hat er die Küchen- und Serviermeister aus dem württembergischen Raum um sich gesammelt und hat eine Institution geschaffen, die einmalig ist und an der er hing mit einer Hingabe und Aufopferung, die ohne Beispiel sind.
Die Meistervereinigung Gastronom, die unter seiner Führung zu einem angesehenen und leistungsstarken Instrument geworden ist, wurde in der Vergangenheit schon oft zur Durchführung spezieller Aufgaben zur Förderung des Nachwuchses und zur Hebung des allgemeinen Ansehens unseres Berufes eingesetzt.
Dazwischen hat es Otto Schütz verstanden, im In- und Ausland Kollegen, Freunde und gleichgesinnte Idealisten als Mitglieder und Ehrenmitglieder mit unserer Vereinigung zu verbinden und so reichen heute unsere Kontakte in viele Länder Europas und nach Übersee
Als Leiter der Kochkunstschau bei den Ausstellungen „Gastlicher Süden”, Bundesfachschau und „Intergastra” hat Otto Schütz Hervorragendes geleistet und hat der ganzen Sache jedes Mal den Stempel seines fachlichen Niveaus aufgeprägt.
Er hat damit in Fachkreisen einen neuen Stil mitgeprägt, und man spricht von der Stuttgarter Linie, was weitgehend sein Verdienst ist.
Auch als Buchautor hat sich Küchenmeister Otto Schütz einen Namen gemacht.
Praxisnah, wie er immer war, hat er ein Fachbuch unter dem Titel „Die Wirtin kocht selbst” in dem Verlag der „Allgemeinen Hotel- und Gaststätten-Zeitung/Deutsche Hotel-Nachrichten”, dem Hugo Matthaes Verlag, Stuttgart, herausgebracht, das eine echte Bedarfslücke geschlossen hat und bereits in der 4. Auflage erreicht hat.
In der genannten Fachzeitung hat er immer wieder gute Ideen und Rezepte an die Kollegen weitergegeben.
Otto Schütz, der auch Ehrenmitglied im Verband der Köche Deutschlands und beim
Kochverein Stuttgart war, hinterlässt in unseren Reihen eine große und schmerzliche Lücke.
Er war einer unserer größten Küchenmeister, hervorgegangen aus einer Zeit, in der die Köche noch Idealismus beseelte, wie man es heute nur noch selten antrifft.

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