
Auslandsaktionen für das Land in den 70er und 80er Jahren
Von Anfang an setzte sich die 1956 von Küchenmeister Otto Schütz gegründete Meistervereinigung Gastronom dafür ein, die Kochkunst Baden-Württembergs auch im Ausland zu präsentieren. Zwischen 1972 und 1984 leitete ich als Präsident im Auftrag der Landesregierung die kulinarische Betreuung von Gastauftritten heimischer Industrie- und Agrarprodukte. Gemeinsam mit Walter Allinger, Hans Könneke, Heinrich Koch und Adolf Burgtaler bereisten wir ganz Europa: Berlin, Bern, Barcelona, Madrid, Wien, Paris, Gent, Graz, Grenoble, London und sogar Trondheim und Sandefjord.
Hinter den offiziellen Empfängen verbarg sich stets mehr als das kunstvoll arrangierte Büfett und die obligatorischen Reden. Mitunter glichen unsere Einsätze spannenden Abenteuern, bei denen James-Bond-Qualitäten gefragt waren:
Gent (Belgien): Die Motorradstaffel der Polizei sperrte uns kurzentschlossen den Weg – weil sie annahm, wir seien der Ministerpräsident selbst (gleicher Autotyp und Kennzeichen). Nur eine kurze Aufklärung in der Botschaft beendete das Missverständnis.
Stuttgart–London: Walter Allinger und ich schmuggelten Rehrücken in Alufolien im Koffer und erregten beim Einchecken so viel Aufsehen, dass man mich festnahm. Polizisten hielten das blutige Fleisch für Leichenteile. Erst die Papiere der Landesregierung klärten den Irrtum, und wir flogen weiter, um in der Botschaft vor 500 Gästen ein Schwarzwälder Büfett zu servieren.
Stuttgart–Paris: Mein großer Messerkoffer landete fast in der Gepäckkammer – erst ein Cockpit-Transport erlaubte mir, die wichtigste Ausrüstung an Bord zu nehmen.
Basel–Grenoble: Schweizer Zöllner verweigerten uns die Durchfahrt mit der Ausrüstung für unser Black-Forest Buffet. Nach einer nächtlichen Schleife über Frankreich erreichten wir Grenoble – um festzustellen, dass unsere Maultaschen in Ulm geblieben waren. Beim First-Light-Einsatz kauften wir Zutaten vor Ort und pressten die Teigtaschen in Metzgerei- und Bäckereien selbst, was unsere Bewirtung zum vollen Erfolg machte.
Für diese zahlreichen Auslandseinsätze erhielt ich im Oktober 1980 im Weißen Saal des Neuen Schlosses in Stuttgart die Silberne Staatsmedaille. Heute hängt sie neben meinem Meisterbrief und der Urkunde für 60 Jahre Mitgliedschaft in meinem Büro – ein stiller Beleg dafür, dass in unserem Beruf neben Fachwissen stets Organisationstalent, Improvisationsfähigkeit und eine Prise Abenteuerlust gefragt sind.
