
Gründung der Meistervereinigung – wie alles begann
1956 gründete Küchenmeister Otto Schütz gemeinsam mit rund 30 Gleichgesinnten in Stuttgart die Meistervereinigung Gastronom, um das Ansehen des Kochberufs – damals häufig verspottet („Zum Koch reicht’s immer noch“) – durch fachliche Exzellenz und menschliche Wertschätzung zu heben. Als Vorbild diente der Cercle des Chefs de Cuisine Berne, dessen hohe Standards Schütz auch in Baden-Württemberg etablieren wollte.
Schon lange vor der Gründung hatte Schütz sein Können unter Beweis gestellt: Nach seiner Lehre im Kurgartenhotel Friedrichshafen (1914–1916) sammelte er Erfahrungen in Spitzenhäusern wie dem Hotel Baur au Lac in Zürich und am Nil in Luxor. Zwischen den Weltkriegen errang er auf internationalen Kochkunstausstellungen zahlreiche Goldmedaillen und leitete erfolgreiche Schulungskurse. Nach Rückkehr aus der russischen Kriegsgefangenschaft in den 1950er Jahren setzte er sein Engagement fort – als unerbittlicher Qualitätsfanatiker, der mit „strengem Regiment“ und förmlichem „Sie“ eine neue Generation von Küchenmeistern prägte.
Da geprüfte Küchenmeister im Land noch rar waren, luden Schütz und seine Mitstreiter von Anfang an auch Serviermeister in die Vereinigung ein. Gemeinsam organisierten sie Fortbildungen, nahmen an Wettbewerben teil und initiierten 1961 die Kochkunstschau „Gastlicher Süden“ auf der Stuttgarter Messe – Vorläuferin der heutigen Intergastra. So wuchs die MVG rasch zum Kompetenzzentrum für gehobene Gastronomie.
Bis zu seinem Tod 1971 blieb Otto Schütz Präsident. Sein Nachfolger Friedrich Nagel erweiterte die Vereinigung 1975 auf ganz Baden-Württemberg und gab ihr den heutigen Namen Meistervereinigung Gastronom Baden-Württemberg, nachdem ein Ministerialbeamter ihren Wert für das Landesimage erkannt hatte. Unter den nachfolgenden Präsidenten Dieter Wägerle, Eugen Heubach, Walter Hofmann, Karl Knipp, Volker Krehl und Uwe Staiger wuchs der Kreis auf inzwischen rund 400 Meisterinnen und Meister aller gastgewerblichen Berufe.
Bis heute hält die MVG an Schütz’ Grundsatz fest: Nur durch höchste fachliche Qualität, ständige Weiterbildung und respektvollen Austausch lässt sich das Image des Kochberufs dauerhaft stärken.
